“Ohne Greentech ist der Wandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft undenkbar” – Im Gespräch mit Lubomila Jordanova

Forbes 30 under 30, CEO und BCG Social Impact Award 2020 Preisträgerin – wir sprechen mit Lubomila Jordanova über green Technology und wie Unternehmen ihren ökologischen Fußabdruck verringern können.

Wir haben Lubomila dieses Jahr kennengelernt, als wir uns dazu entschlossen, Teil des Greentech Alliance Netzwerkes zu werden. Als Mitbegründerin dieser Gemeinschaft hofft sie auf spannende Synergien und Ideenfindungen unter den beteiligten Firmen in Sachen Nachhatigkeit. Unter dem Dach der Greentech Allliance finden sich viele nationale, wie auch internationale Firmen wieder, die – kurz gesagt- den Planeten über den Profit stellen. Sie wollen den Planeten zu einem lebenswerteren Ort für alle Gemeinschaften machen, während nachhaltige und langlebige Unternehmen aufgebaut werden, welche Menschen miteinander verbindet und sich im Dienste einer nachhaltigen Zukunft ständig neu erfinden.

So ist Lubomila nicht nur Mitbegründerin der Greentech Alliance, sondern gründete 2017 das Unternehmen Plan A: Dieses Unternehmen entwickelt eine End-to-End-Plattform, mit der Unternehmen ihren ökologischen Fußabdruck messen, überwachen und reduzieren können. Denn vielen Unternehmen geht es wie uns: Wir setzen alles daran, um erneuerte Technik bekannter zu machen und investieren in nachhaltige Innovationen, produzieren dabei jedoch auch CO2. Unternehmen wie Plan A können Unternehmen dabei helfen, den Einfluss auf die Umwelt zu verringern.

Uns brannten viele Fragen unter den Nägeln, die Antworten findest du hier:

 

1. Was hat dazu geführt, deine professionelle Karriere der Umwelt zu widmen? Gab es ein bestimmtes Ereignis?

Unsere Umwelt sowie all das Leben auf unserem Planeten lagen mir schon immer am Herzen. Bevor ich Plan A gegründet habe, war ich in Unternehmen angestellt, die sich mit anderen Finanzthemen beschäftigten. Der Klimawandel stand im Jahr 2016 bei sehr wenigen Menschen auf der Agenda. Für mich war es die dringendste und zentralste Herausforderung. Das hat mir die Augen geöffnet, dass ich mich selbst mehr darüber informieren und aktiv werden muss. So wurde Plan A geboren.

2. Warum hast du Plan A gegründet? Und was sind die Pläne für die Zukunft?

Ich habe Plan A aus der Überzeugung heraus gegründet, dass jedes Unternehmen die Macht hat, den Weg in eine nachhaltigere Zukunft zu ebnen. Deshalb sehen wir private Unternehmen als das wichtigste Vehikel, um den Transformationsprozess entschieden und nachhaltig voranzutreiben. Wir wollen sie auf diesem Weg unterstützen und geben ihnen mit unserer SaaS-Plattform einen datengestütztes, wissenschaftlich fundiertes Tool an die Hand, ihre CO2-Reduktionsziele zu erreichen und ihre ESG-Performance zu verbessern.

3. Welche Rolle spielt dabei die Technologie, um dieses Ziel zu erreichen?

Ohne modernste Technologie sind die gesetzten Klimaziele nicht zu erreichen. Für den Transformationsprozess hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft gibt es keine schnellen Patentlösungen. Es ist eine Reise, deren Erfolg von Engagement, Verantwortungsbewusstsein und maßgeblich von intelligenten technologischen Innovationen abhängt. Man muss wissen, dass die Berechnung von akkuraten, wissenschaftlich fundierten CO2-Fußabdrücken für Unternehmen ein unglaublich komplexer und datenintensiver Prozess ist. Aber damit ist es ja nicht getan. Mit dem Wissen um die eigene Klimabilanz müssen die Unternehmen in die Lage versetzt werden, zu handeln und den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Hierfür gibt unsere Software-Plattform wissenschaftliche Reduktionspläne aus. Basierend auf dem jeweiligen Emissionsprofil schlagen diese wirkungsvolle Maßnahmen vor, die Geschäftstätigkeit nachhaltig zu dekarbonisieren. All das wäre ohne unsere eigens entwickelte Data Engine und Software-KI nicht realisierbar.

4. Wie wichtig ist dabei “green technology” und wie kann man ein generelles Umdenken in der Gesellschaft erreichen?

Technologie ist schon heute in der Lage, einen unschätzbaren Beitrag zum Schutze unseres Planeten zu leisten. Wir müssen sie nutzen, um unser Leben nachhaltiger und unsere Arbeit effizienter zu gestalten. Mit Plan A’s SaaS, zum Beispiel, können wir den ökologischen und sozialen Fußabdruck von Unternehmen messen. So helfen wir ihnen, den schnellsten Plan zur Emissionsreduzierung zu entwerfen und umzusetzen.

Es gibt mehrere Dimensionen, in denen grüne Technologie die Welt prägt. Die ebenfalls von mir mitbegründete Greentech Alliance, eine Plattform mit über 500 Start-ups und 350 VCs, Medien- und Wirtschaftsvertretern, bildet eine schlagkräftige Gemeinschaft und ist ein ausschlaggebender Treiber, um den Transformationsprozess voranzubringen. Nicht nur in den Unternehmen, sondern auch in der Öffentlichkeit, denn jedes einzelne Mitglied der Alliance leistet einen entscheidenden Beitrag zur Aufklärung rund um die Themen Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit. Ohne Greentech ist der Wandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft undenkbar.

 

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5. Wie können wir als Konsumenten “Greenwashing” besser erkennen? Und wie kann man es bekämpfen?

Wir haben eine Petition unter dem Namen “Make 2021 Count” gestartet, die sich genau auf dieses Thema konzentriert. Wir fordern die EU-Kommission auf, einheitliche und verbindliche Transparenzstandards für die Bilanzierung von CO2-Emissionen in europäischen Unternehmen einzuführen. Firmen, die sich als „klimaneutral“ bezeichnen, sollen gesetzlich verpflichtet werden, ihren CO2-Fußabdruck zu veröffentlichen. Greenwashing – die übertriebene oder gar fälschliche Behauptung, als Unternehmen nachhaltig zu wirtschaften – ist zu einem großen Problem für Unternehmen geworden, die es ehrlich meinen. Bei einer Überprüfung kommerzieller Websites durch die EU wurde festgestellt, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen keine ausreichenden Beweise oder Transparenz vorweisen konnte, um ihre Behauptungen zu belegen. Wir wollen es Verbrauchern, Regierungen und anderen Stakeholdern leicht machen, die Nachhaltigkeit von Unternehmen anhand zugänglicher Daten wirklich zu beurteilen.

6. Hast du einen Tipp für Unternehmen, die wirklich nachhaltiger werden wollen?

Ich denke, Aufrichtigkeit und sich seiner Verantwortung bewusst zu werden, sind ein guter Anfang. Was wir auch oft erleben, ist, dass das Thema zu komplex und somit erdrückend wirkt – viele Unternehmen sind daher abgeschreckt, erste Schritte einzuleiten. Mein Tipp: Holen Sie sich professionelle Hilfe. Es gibt so viele inspirierende, spannende und professionelle Jungunternehmen, die gezielte technologische Innovationen für die verschiedensten Herausforderungen rund um ESG entwickelt haben. Sich den eigenen dringenden Handlungsbedarf einzugestehen und aktiv zu werden, ist das wichtigste. Danach werden die Unternehmen schnelle Fortschritte machen.

Eine weitere Empfehlung ist, bei den Emissionsberechnungen gründlich zu sein. Für ein Unternehmen reicht es nicht aus, nur oberflächliche Kalkulationen durchzuführen. Die CO2-Bilanzierung variiert von Unternehmen zu Unternehmen und von Branche zu Branche. Es ist daher elementar, mehr darüber zu erfahren, was es für die Ermittlung des eigenen tatsächlichen Fußabdrucks benötigt.

7. Was ist das Wertvollste, was du in den letzten 5 Jahren gelernt hast?

Eine wertvolle Lektion, die mich meine Tätigkeit im Nachhaltigkeitsbereich gelehrt hat, ist, dass bestimmte Entwicklungen gern auch schnell mal ihre Richtung ändern – woraus sich dann aber auch immer wieder unzählige neue Möglichkeiten ergeben. Die Art und Weise, wie wir wirtschaften, wandelt sich grundlegend und schnell. Unternehmen stehen vor der permanenten Herausforderung, Innovationen einzuführen, um sich an neue Kunden, Normen, Vorschriften und Erwartungen ihrer Stakeholder anzupassen. Sie auf diesem Weg zu begleiten und den Transformationsprozess hin zu einer nachhaltigen, dekarbonisierten Wirtschaft gemeinsam voranzutreiben, ist für mich das Wertvollste.

Vielen Dank für das spannende Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

 

Wusstest du, dass der Digitalsektor 4,2 % des Primärenergieverbrauchs und 3,8 % der weltweiten Treibhausgase ausmacht? Falls nicht, erfahre mehr zum ökologischen Fußabdruck des Internets in unserem nächsten Artikel.

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